Menschen protestieren für eine inklusive Gestaltung unserer Lebenswelt.
Menschen protestieren für eine inklusive Gestaltung unserer Lebenswelt.

"Mission Inklusion – die Zukunft beginnt mit Dir!"

"Mission Inklusion – die Zukunft beginnt mit Dir!" - unter diesem Motto setzen Selbstvertretungs- und Selbsthilfeorganisationen behinderter Menschen und Anbieter aus der Behindertenhilfe in der Woche vom 27. April bis 12. Mai 2019 mit hunderten von Aktionen in ganz Deutschland Zeichen für die inklusive Gestaltung unserer Lebenswelt. Anlass ist der Europäische Protesttag zur Gleichstellungen von Menschen mit Behinderungen am 5. Mai. Auch im Regierungsbezirk Arnsberg finden rund um den Protesttag jede Menge Veranstaltungen statt - von inklusiven Musikfestivals bis spannenden Aktionen zu Mitmachen und Miterleben. Hier eine Übersicht.

Bildnachweis: Andi Weiland | Gesellschaftsbilder.de

 

Am Aktionstag 27. April 2019 in der Zeit von 9 Uhr 30 bis 14 Uhr ist ein Info- & Mitmachstand in der Fußgängerzone von Arnsberg-Neheim geplant. An diesem zentralen Ort sollen viele Menschen mit und ohne Behinderung ins Gsepräch kommen. Desweiteren besteht die Möglichkeit, einen Raum für Begegnung, Diskussionen und gemeinsame Aktivitäten von Menschen mit und ohne Behinderung zu schaffen. Ziel des Aktionstages ist es, das Thema Inklusion in den Fokus der Öffentlichkeit zu stellen. Mit den Aktionsmitteln, Informationsmaterialien zur Hilfe für Menschen mit Behinderung und Mitmachaktionen sollen Passanten bzgl. der Themen sensibilisiert & informiert werden. Durch eine ansprechende Gestaltung des Informationsstandes (Snacks, Getränke und Mitmachaktion) sollen Passanten zum Verweilen eingeladen werden. Weitere Informationen: Matthias Otto m.otto@arnsberg.de.

Der Verein "Wohnen im Ort " e.V. in Dortmund-Hombruch beteiligt sich am Aktionstag dem 5. Mai 2019 mit dem Motto "Salz in der Suppe" und "Inklusion versüßt das Leben". Der Verein unterstützt junge Menschen mit Behinderung. Der Schwerpunkt liegt darauf, dieser Personengruppe ein selbstbestimmtes Leben durch eigenständiges Wohnen im vertrauten Umfeld mit möglichst vielen sozialen Kontakten zu ermöglichen. Schwerpunktziel, ist es, durch ein Wohn- und Quartierskonzept die Integration und Inklusion der Menschen mit Behinderung in der Gesellschaft sicherzustellen. Hier gibt es weitere Informationen und Kontakte.

"Dampf ablassen, Kultur inklusiv erleben" ist das Leitmotiv für ein inklusives Musikfestival am 3. Mai 2019 ab 19 Uhr in der Maschinenhalle des Dampf-Leute-Museums in Eslohe, Homerstraße 27. Die Bands "Gimme 5" aus Schmallenberg und die inklusive Rockband "The Mumes" aus Dänemark zeigen, dass Musik keine Grenzen kennt und Behinderungen kein Handicap für fetzige Songs sind. Weitere Informationen: Michael Schäfer-Pieper, Kardinal van Galen-Schule, kvg@caritas-meschede.de  

Unter dem Motto "Mittendrin - Die Zukunft beginnt mit dir!" feiert Hagen am 11. Mai 2019 ab 14 Uhr auf dem Friedrich-Ebert-Platz ein inklusives Stadtfest. Veranstalter sind die AG Partizipation, das Netzwerk Hagener Selbsthilfe und die Ergänzende Unabhängige Teilhabeberatung EUTB Hagen, die sich im Rahmen eines Podiumsgesprächs dem Publikum vorstellen werden. Oberbürgermeister Erik O . Schulz wird die Veranstaltung eröffnen. Für den musikalischen Rahmen sorgt unter anderem die integrative Band "Together" der Max-Reger-Musikschule. Die Veranstaltung wird gebärdensprachlich begleitet.

Am Wochenende 4. und 5. Mai 2019 steht Meschede ganz im Zeichen der sozialen Inklusion. Mit viel Musik und zahlreichen Aktionen wollen die Organisatoren in der Innenstadt ein Zeichen setzen, wie Menschen mit und ohne Behinderungen in unserer Gesellschaft zusammenleben können. Das Aktionswochenende beginnt am Freitagabend mit einem Rock- und Popkonzert auf dem Winziger Platz, dem Vorplatz des Henne-Ruhr-Einkaufszentrums. Am selben Ort folgt am Samstag ein buntes Programm mit Infoständen und Mitmachaktionen. So gibt es unter anderem beispielsweise Infos über Hilfsmittel für blinde Menschen, eine Kegelbahn für Rollstuhlfahrer, offenes Trommeln, Musik und Waffeln. Weitere Informationen: Stephan Köhler, Leiter Marcel-Callo-Haus, Caritas Meschede, s.koehler@caritas-meschede.de

In Schmallenberg haben sich mehrere Interessengruppen zusammengetan und beteiligen sich am bundesweiten Aktionstag „MissionInklusion ‐ die Zukunft beginnt mit Dir!“. Am 9. Mai findet deshalb von 9 bis 14 Uhr eine Veranstaltung auf dem Schützenplatz statt. „Wir wollen die Mitbürger auf Situationen aufmerksam machen, denen Menschen mit eingeschränkter Mobilität im Alltag ausgesetzt sind“, sagt Schmallenbergs ehrenamtliche Behinderten‐Interessenvertreterin Cornelia Steffen. Weitere Informationen: BIVSchmallenberg@gmx.de

 

Sie beteiligen sich ebenfalls am Protesttag zur Gleichstellung von Menschen mit Behinderungen mit einer Veranstaltung im Regierungsbezirk Arnsberg? Dann senden Sie uns Informationen dazu, die wir gern auf unserer Website veröffentlichen: presse@ksl-arnsberg.de  

 

Das Bild zeigt Prof. Dr. Theresia Degener.
Das Bild zeigt Prof. Dr. Theresia Degener.

Kein Etikettenschwindel

Dr. Theresia Degener redet nicht um den heißen Brei herum: Auf dem Weg zu einer inklusiven Gesellschaft brauche es einen regelrechten Systemwechsel. "Und der steht noch aus", sagt die Professorin an der Evangelischen Hochschule Rheinland-Westfalen-Lippe in Bochum. Von 2011 bis 2018 war sie Mitglied und Vorsitzende des UN-Ausschusses für die Rechte von Menschen mit Behinderungen. Anlässlich des Festakts zum zehnjährigen Bestehen der UN-Behindertenrechtskonvention (UN-BRK) in Deutschland am 26. März 2019 in Berlin wurde sie dafür von Bundessozialminister Hubertus Heil geehrt. Die Redaktion des KSL Arnsberg sprach mit der Bochumer Hochschullehrerin über Wunsch und Wirklichkeit der UN-BRK.

KSL: Frau Professor Degener, Sie waren von 2011 bis 2018 Mitglied des UN-Ausschusses für die Rechte von Menschen mit Behinderungen, haben diese Gremium die letzten zwei Jahr als Vorsitzende geführt und mitgestaltet. Welche Erwartungen hatten Sie an die UN-BRK?

Prof. Degener: Selbstverständlich sehr große. Die Behindertenbewegung war bei der Verabschiedung der UN-BRK sehr euphorisch und voller Hoffnungen, dass Barrierefreiheit und Selbstbestimmung in allen Belangen zur gesellschaftlichen Realität würden.

 

KSL: Wo stehen wir in Deutschland heute? Wie in NRW? Im internationalen Vergleich?

Prof. Degener: Noch längst nicht da, wo wir stehen könnten. Wie die jüngste Studie des Deutschen Instituts für Menschenrechte zeigt, besteht in NRW enormer Handlungsbedarf in den Bereichen, Arbeit, Mobilität, Wohnen und Bildung. Dieses Bild lässt sich auf die Lage in den anderen Ländern und auf Bundesebene übertragen.

Segregierende (trennende, d. Red.) Strukturen sind in Deutschland politisch und wirtschaftlich fest verankert. Es braucht einen regelrechten Systemwechsel, und der steht noch aus. Wirtschaftlicher Wohlstand allein ist kein Garant für eine erfolgreiche Umsetzung, das zeigt auch der Blick in europäische Nachbarländer. Immerhin haben in Deutschland verschiedene Akteure in Politik und Wirtschaft Aktionspläne zur Umsetzung der UN-BRK entwickelt und damit Ziele gesetzt, an denen sie sich messen lassen müssen.

 

KSL: Wo sehen Sie die größten Erfolge?

Prof. Degener: Darin, dass das Thema Behinderung ein Menschenrechtsthema geworden ist.

 

KSL: ... und wo die größten Enttäuschungen?

Prof. Degener: Es finden in Bezug auf die UN-BRK viele Vereinnahmungen statt. Inklusion und Selbstbestimmung wird gerne als Etikett verwendet, aber der Inhalt ist oft weder menschenrechtsorientiert, noch inklusiv oder selbstbestimmt. Es lassen sich meines Erachtens drei Strömungen ausmachen: Eine Strömung aus der Behindertenbewegung, die die UN-BRK als Täuschung und als Ablenkungsmanöver wahrnehmen, weil die Versprechungen der UN-BRK nicht realisiert werden.

Eine zweite Strömung kommt aus den traditionellen Sonderwissenschaften und aus den Reihen der traditionellen Leistungsanbieter, die sich auf die UN-BRK beziehen, um segregierende  Disziplinen und Einrichtungen zu erhalten. Eine dritte Strömung schließlich rekurriert sich aus Vertretern des Mainstreams, die immer schon wussten, dass der Platz für Behinderte nicht in der Mitte der Gesellschaft sein kann. Stichwort: Sonderpädagogisierung der Inklusion.

 

KSL: Wo sehen Sie die vordringlichsten Aufgaben für die Zukunft?

Prof. Degener: Die Überwindung separierender Strukturen in Bildung und Arbeitswelt. Die Ausweitung der Pflicht zur Barrierefreiheit auf den privaten Bereich. Die Etablierung einer menschenrechtsbasierten Psychiatrie und rechtlicher Betreuung. Das sind nur einige Beispiele.

 

KSL: Wo sehen Sie Deutschland nach 20 Jahre UN-BRK?

Prof. Degener: Mein Wunsch wäre es, dass alle behinderten Menschen unabhängig vom Grad ihrer Beeinträchtigung ein selbstbestimmtes und gleichberechtigtes Leben führen können. Ob das in zehn Jahren zu erreichen ist? Ich weiß es nicht.

 

KSL: Dazu müssen Sie sicher viele dicke Balken bohren. Was stärkt Sie bei dieser herausfordernden Arbeit? Was ist Ihre persönliche Motivation?

Prof. Degener: Der Glaube an die Menschenrechte.

 

KSL: Gibt es Vorbilder für Sie?

Prof. Degener: Adolf Ratzka ist ein großes Vorbild. Er ist wohl einer der bedeutenden Väter der internationalen Behindertenbewegung. Ich bin sehr stolz, dass er am 2. April 2019 auf unserer Konferenz in Bochum reden wird.

 

Foto: Agnes van Wijnen

Logo der Vereinten Nationen
Logo der Vereinten Nationen

Mutiges "Voranstreiten" für Selbstbestimmung, Diskriminierungsfreiheit und Teilhabe

Am 26. März 2009 trat die Behindertenrechtskonvention der Vereinten Nationen in Deutschland in Kraft. "In den vergangenen zehn Jahren ist viel erreicht worden, damit Menschen mit Behinderungen ein selbstbestimmtes Leben führen und gleichberechtigt an der Gesellschaft teilhaben können", teilt das Kompetenzzentrum Selbstbestimmt Leben für den Regierungsbezirk Arnsberg (KSL Arnsberg) mit. Aber: Auf dem Weg zu einer inklusiven Gesellschaft in Deutschland sei noch ebenso vieles zu tun.

Manifest und Wegweiser der Arbeit des KSL Arnsberg ist die Behindertenkonvention der Vereinten Nationen - kurz: UN-BRK. "Die Achtung der jedem Menschen innewohnenden Würde und seiner individuellen Autonomie, einschließlich der Freiheit, eigene Entscheidungen zu treffen, gehört zu den zentralen Grundsätzen der UN-BRK.", unterstreicht Andreas Tintrup, Projektleiter des KSL Arnsberg. Die Vertragsstaaten hätten sich gemäß der Konvention dazu verpflichtet, geeignete und wirksame Maßnahmen zu treffen, die Menschen mit Behinderungen den vollen Genuss dieses Rechts und ihre Teilhabe an der Gesellschaft zu ermöglichen."

Das KSL Arnsberg ist eines von sechs Kompetenzzentren sowie einer Koordinierungsstelle, das mit finanzieller Unterstützung des Landes Nordrhein-Westfalen und des Europäischen Sozialfonds einen zentralen Beitrag leistet, die soziale Inklusion zu fördern. "Ein Ziel ist es, auf die bestehenden gesellschaftlichen Strukturen so einzuwirken, dass ein selbstbestimmtes Leben für alle möglich ist", sagt KSL-Arnsberg-Mitarbeiter Manuel Salomon.

Ein Beispiel der Arbeit der KSL bezieht sich auch das so genannte Persönliche Budget, worauf Menschen mit Behinderungen seit dem 1. Januar 2008 einen Rechtsanspruch haben. Dabei handelt es sich um die Möglichkeit, mit der Menschen mit Behinderung selbstbestimmt über die ihnen zustehenden Leistungen zur Teilhabe entscheiden können. "Die Kompetenzzentren haben im vergangenen Jahr dazu eine Kampagne mit einer Wanderausstellung und einer Broschüre entwickelt, damit noch mehr Menschen mit Behinderung darüber Kenntnis erhalten und dieses nutzen können", berichtet Christiane Rischer, ebenfalls Mitarbeiterin des KSL-Arnsberg.

Um den Geist der UN-BRK in die Regionen zu tragen bedarf es zahlreicher, kompetenter Mitstreiterinnen und Mitstreiter. Dazu gehören die Behinderten- und Inklusionsbeauftragten in Städten und Kreisen ebenso wie Landschafts- und Wohlfahrtsverbände, Beratungseinrichtungen und Kommunalverwaltungen, um nur einige zu nennen. „Die UN-BRK bedeutet: Mutiges Voranstreiten für Selbstbestimmung, Diskriminierungsfreiheit und Teilhabe", sagt Andreas Tintrup. "Sie ist Empowerment für eine Milliarde Menschen mit Behinderung weltweit.

Bild von Gerd Altmann auf Pixabay

Die Wanderausstellung wurden von vielen Gästen sehr aufmerksam angeschaut.
Die Wanderausstellung wurden von vielen Gästen sehr aufmerksam angeschaut.
Die Landesbehindertenbeauftragte Claudia Middendorf forderte die vollumfängliche gesellschaftliche Teilhabe von Menschen mit Behinderung.
Die Landesbehindertenbeauftragte Claudia Middendorf forderte die vollumfängliche gesellschaftliche Teilhabe von Menschen mit Behinderung.
Dr. Christof Stamm vom Ministerium für Arbeit, Gesundheit und Soziales lobte die erfolgreiche Arbeit der Beratungsstellen.
Dr. Christof Stamm vom Ministerium für Arbeit, Gesundheit und Soziales lobte die erfolgreiche Arbeit der Beratungsstellen.
Dr. Birgit Rothenberg vom Vorstand Mobile e.V. gab einen Rückblick auf die Entwicklung der Teilhabeberatung.
Dr. Birgit Rothenberg vom Vorstand Mobile e.V. gab einen Rückblick auf die Entwicklung der Teilhabeberatung.
Fachgespräch am Rande der Wanderausstellung: Andreas Tintrup (KSL Arnsberg), Markus May, (KSL-NRW), Dr. Christof Stamm (MAGS) , Claudia Middendorf (NRW-Landesbehindertenbeauftragte) und Manuel Salomon (KSL Arnsberg)
Fachgespräch am Rande der Wanderausstellung: Andreas Tintrup (KSL Arnsberg), Markus May, (KSL-NRW), Dr. Christof Stamm (MAGS) , Claudia Middendorf (NRW-Landesbehindertenbeauftragte) und Manuel Salomon (KSL Arnsberg)
Team-Foto der EUTB Dortmund.
Team-Foto der EUTB Dortmund.

Ziel ist die vollumfängliche Teilhabe

Seit einem Jahr haben Menschen mit Behinderung kompetente Ansprechpartner für Teilhabeberatung in Dortmund. Die Teilhabeberatung Selbstbestimmt Leben Dortmund (Träger: MOBILE – Selbstbestimmtes Leben Behinderter e.V.) und der Betreuungsverein Lebenshilfe Dortmund e. V. beraten seit Anfang 2018 Menschen mit verschiedenen Behinderungen, Angehörige und Interessierte aller Altersklassen und Lebensbereiche zu Fragen rund um Teilhabe, Rehabilitation und Selbstbestimmtes Leben. Häufige Themen in der Beratung sind Schwerbehindertenausweis, gesetzliche Betreuung, Assistenz, Wohnen und Pflege. Das Beratungsangebot wird überwiegend telefonisch und persönlich wahrgenommen. Die Beratung ist für Ratsuchende kostenlos und unabhängig von Leistungsträgern und Leistungserbringern.

„Wir sind auf einem guten Weg, Menschen mit Behinderung eine vollumfänglich gesellschaftliche Teilhabe zu ermöglichen“, lobte NRW-Landesbehindertenbeauftragte Claudia Middendorf die gesetzlichen und gesellschaftlichen Entwicklungen für Menschen mit Behinderung. Neben Claudia Middendorf unterstrichen Manfred Sauer, Bürgermeister der Stadt Dortmund, Dr. Christof Stamm vom Ministerium für Arbeit, Gesundheit und Soziales des Landes Nordrhein-Westfalen, sowie Dr. Birgit Rothenberg, Vorstand von MOBILE – Selbstbestimmtes Leben Behinderter e.V., den hohen Stellenwert der Beratungsaufgaben der EUTB.

Moderiert wurde die Geburtstagsfeier von Dietmar Bramsel, Vorstand des Betreuungsvereins Lebenshilfe Dortmund e. V. Zudem waren Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Dortmunder Politik und Verwaltung, Akteure der Behindertenhilfe und Selbsthilfe sowie Fachkräfte verschiedener Beratungsstellen aus Dortmund und Umgebung zu Gast. Große Beachtung fand in diesem Rahmen auch die Wanderausstellung zum Persönlichen Budget des Kompetenzzentrums Selbstbestimmt Leben (KSL).

Neuer Ratgeber erklärt, was sich bei Volljährigkeit ändert.
Neuer Ratgeber erklärt, was sich bei Volljährigkeit ändert.

18 werden mit Behinderung

Der Bundesverband für körper- und mehrfachbehinderte Menschen e.V. (bvkm) hat sein Merkblatt „18 werden mit Behinderung“ aktualisiert. Der Ratgeber berücksichtigt den Rechtsstand von Januar 2019 und gibt einen Überblick darüber, welche Rechte und Pflichten behinderte Menschen mit Erreichen der Volljährigkeit haben. Behandelt werden unter anderem die Themen rechtliche Betreuung, Wahlrecht und Führerschein.  
 
Ein besonderes Augenmerk richtet das Merkblatt auf Rechtsänderungen, die aufgrund der ersten Reformstufen des Bundesteilhabegesetzes (BTHG) bereits in Kraft getreten sind. Eingegangen wird insbesondere auf das Budget für Arbeit und die Regelungen für andere Leistungsanbieter, mit denen Alternativen zur Beschäftigung in einer Werkstatt für behinderte Menschen geschaffen wurden.
 
Auch blickt der Ratgeber bereits jetzt auf Änderungen, die sich durch das BTHG zum 1. Januar 2020 ergeben werden. Ab diesem Zeitpunkt werden die Einkommens- und Vermögensgrenzen, die für die Gewährung von Leistungen der Eingliederungshilfe maßgeblich sind, deutlich angehoben. Auch wird es bei den stationären Wohneinrichtungen, die künftig „gemeinschaftliche Wohnformen“ heißen, zu einem grundlegenden Systemwechsel kommen. Auswirkungen wird dies unter anderem auf den Barbetrag haben, der den Bewohnern dieser Wohnformen zur freien Verfügung steht.
 
Für Eltern enthält der Ratgeber ebenfalls wichtige Informationen. Sie erfahren zum Beispiel, ob sie über das 18. Lebensjahr hinaus für ihr behindertes Kind Kindergeld beziehen können und inwieweit das Kind in den Versicherungsschutz der Familie einbezogen bleibt.  
 
Der Ratgeber „18 werden mit Behinderung – Was ändert sich bei Volljährigkeit?“ steht im Internet unter www.bvkm.de in der Rubrik „Recht und Politik“ kostenlos als Download zur Verfügung. Die gedruckte Version des Ratgebers kann zum Preis von 1 Euro (inkl. Porto und Verpackung) unter folgender Adresse bestellt werden: bvkm, Stichwort „18 werden“, Brehmstr. 5-7, 40239 Düsseldorf, per E-Mail an: versand@bvkm.de, Telefon 0211 64004 15

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Besuch im nordrhein-westfälischen Landtag
Besuch im nordrhein-westfälischen Landtag
NRW-Landtagsabgeordnete Anja Butschkau
NRW-Landtagsabgeordnete Anja Butschkau
Im Plenarsaal des Düsseldorfer Landtags
Im Plenarsaal des Düsseldorfer Landtags
Rund 50 politisch Interessierte nahmen an der Diskussion mit der Landtagsabgeordneten Anja Burtschkau teil.
Rund 50 politisch Interessierte nahmen an der Diskussion mit der Landtagsabgeordneten Anja Burtschkau teil.

Defizite umgehend beseitigen

"Wir müssen Inklusion leben, nicht nur darüber reden!" Anja Butschkau, SPD-Landtagsabgeordnete aus Dortmund, macht sich dafür stark, bei der Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention nicht nachzulassen. „In NRW gibt es noch Defizite bei der Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention“, sagte die Abgeordnete bei einem Besuch von rund 50 Vertreterinnen und Vertretern des Kompetenzzentrums Selbstbestimmt Leben (KSL) Regierungsbezirk Arnsberg, dem Frauenheim Wengern, der Ergänzenden Unabhängigen Teilhabeberatung (EUTB) Selbstbestimmt Leben Dortmund, dem Künstlerstammtisch ChiccoART sowie weiteren Interessierten. „Davon betroffen sind vor allem das Recht auf Wohnen und Leben in der Gemeinschaft, das Recht auf Mobilität, eine inklusive Schulbildung und ein inklusiver Arbeitsmarkt.“ In einem Antrag mit konkreten Forderungen werde die SPD-Fraktion die NRW-Landesregierung dazu aufrufen, diesen Nachholbedarf schnellstens anzupacken.

Das KSL Arnsberg (Sitz: Dortmund) hatte den Besuch im Düsseldorfer Landtag im Rahmen seines Arbeitsschwerpunktes „Politische Partizipation“ organisiert. Gesprächsthemen waren unter anderem das Bundesteilhabegesetz, die Interessenvertretung von Menschen mit Behinderungen, der Gewaltschutz in Wohneinrichtungen und Werkstätten sowie inklusive Kultur. Die Landtagsabgeordnete zeigte sich sehr beeindruckt von der engagierten Diskussion und vereinbarte Folgegespräche zu konkreten Themen und Fragen der Teilnehmerinnen und Teilnehmer.

Hilfe im Haushalt, beim Putzen, Einkaufen oder Behördengang: Die nordrhein-westfälische Landesregierung verbessert die Rahmenbedingungen für Alltagsunterstützer.
Hilfe im Haushalt, beim Putzen, Einkaufen oder Behördengang: Die nordrhein-westfälische Landesregierung verbessert die Rahmenbedingungen für Alltagsunterstützer.

Bessere Rahmenbedingungen für Alltagsunterstützer

Die nordrhein-westfälische Landesregierung verbessert die Rahmenbedingungen für Alltagsunterstützer. Neben rechtlichen Erleichterungen hilft künftig ein „Angebotsfinder“ im Internet bei der Suche nach den passenden Angeboten. Mit den Änderungen der einschlägigen „Anerkennungs- und Förderungsverordnung“ (AnFöVO) soll künftig das Anerkennungsverfahren vereinfacht und die Etablierung neuer Angebote erleichtert werden.

Hilfe im Haushalt, beim Putzen, Einkaufen oder Behördengang können pflegebedürftigen Menschen das Leben in den eigenen vier Wänden erleichtern und dazu beitragen, die Anforderungen des Alltags besser zu bewältigen. Die Landesregierung möchte den Ausbau solcher Angebote weiter voranbringen und hat deshalb Anfang Januar 2019 wichtige Neuerungen auf den Weg gebracht.
 
„Niedrigschwellige Angebote können die Versorgung durch anerkannte Pflegedienste und pflegende Angehörige sinnvoll ergänzen. Je mehr Angebote existieren, desto größer ist die Auswahl und damit die Möglichkeit, ein passendes Angebot zu finden“, sagt Gesundheits- und Pflegeminister Karl-Josef Laumann.
 
Mit den Änderungen der einschlägigen „Anerkennungs- und Förderungsverordnung“ (AnFöVO) soll künftig das Anerkennungsverfahren vereinfacht und die Etablierung neuer Angebote erleichtert werden. So werden die Anforderungen an die Qualifizierung der Leistungserbringer sowie die erforderlichen Nachweise für die Anerkennung deutlich reduziert. Vom Land geförderte Servicestellen sollen zudem die Angebote fachlich begleiten und die Bürgerinnen und Bürger informieren. Laumann: „Wir wollen weg von strikter Steuerung. Angebote sollen sich entwickeln können. Das ist in dieser Form einzigartig und macht Nordrhein-Westfalen einmal mehr zum Vorreiter in Deutschland.“
 
Zudem stellt das Gesundheitsministerium ein Suchportal, den „Angebotsfinder“, im Internet zur Verfügung. Minister Laumann: „Die Online-Suche hilft pflegebedürftigen Menschen und ihren Angehörigen dabei, Angebote in der Nähe zu finden. Mit wenigen Klicks bietet es Informationen zu anerkannten Unterstützungsangeboten in Nordrhein-Westfalen. Wenn ein geeignetes Angebot gefunden ist, kontaktiert man die Pflegekasse hinsichtlich der Finanzierung.“ Den Angebotsfinder des Ministerium für Arbeit, Gesundheit und Soziales finden Sie unter: url.nrw/Angebotsfinder
 
Neu ist, dass das Landesrecht neben den in diesem Angebotsfinder aufgeführten Angeboten nun auch Dienstleistungen von privaten Haushaltshilfen angemessen berücksichtigt. Dies sind Personen, die unmittelbar im Haushalt beschäftigt werden – als Minijobber oder im Rahmen eines normalen Beschäftigungsverhältnisses. So wie bisher bereits ehrenamtliche Nachbarschaftshilfe bedürfen diese Haushaltshilfen künftig keines langwierigen formalen Anerkennungsverfahrens. Voraussetzung ist jedoch, dass das Sozialversicherungsrecht beachtet wird und bestimmte Kenntnisse vorliegen.

Die Pflegeversicherung stellt für die Inanspruchnahme der Unterstützungsangebote im Alltag einen Geldbetrag von bis zu 125 Euro monatlich zur Verfügung – den sogenannten Entlastungsbetrag. Voraussetzung ist eine Anerkennung der Angebote durch das Land. Zuständig hierfür sind die Kreise und kreisfreien Städte. Derzeit gibt es in Nordrhein-Westfalen rund 2.400 offizielle Angebote.

Bundestag
Bundestag

Thema: Reform des Wahlrechts

Für uns vom KSL Arnsberg gibt es keine zwingenden Gründe, Menschen im Wahlrecht unterschiedlich zu behandeln.

Bei "kurt.digital", dem Web-TV der TU Dortmund, äußert sich Andreas Tintrup, Projektleiter des KSL Arnsberg, zur Aussage des Behindertenbeauftragten Jürgen Dusel, der sich am 3. Dezember 2018 für eine kurzfristige Reform des Wahlrechts ausgesprochen hatte.

Hier geht es zum Videocast.

Frauen und Mädchen mit Behinderung haben häufig Schwierigkeiten, weil Arztpraxen nicht entsprechend räumlich, technisch und personell auf diese Patientengruppe vorbereitet sind.
Frauen und Mädchen mit Behinderung haben häufig Schwierigkeiten, weil Arztpraxen nicht entsprechend räumlich, technisch und personell auf diese Patientengruppe vorbereitet sind.

Mitmachen: Studie zur ärztlichen Versorgung für Frauen und Mädchen mit Behinderung

Welche Erfahrungen machen Frauen und Mädchen mit Behinderung und/oder chronischer Erkrankung in NRW mit der ärztlichen und frauenärztlichen Versorgung? Offenbar keine guten. Denn das NetzwerkBüro Frauen und Mädchen mit Behinderung/chronischer Erkrankung NRW fordert schon seit Langem: „Die ärztliche und frauenärztliche Versorgung muss verbessert werden.“ Dazu gehören unter anderem Untersuchungsgeräte, die auf Frauen mit Behinderung eingestellt werden können, geschulte Mitarbeiterinnen oder der barrierefreie Zugang zu Arztpraxen.

Im Rahmen einer Praxis-Studien ruft das Netzwerk betroffene Frauen und Mädchen auf, ihre Erfahrungen weiter zu geben. „Was kann in einer Arztpraxis besser sein?“ „Wie ist es mit der Begleitung von schwangeren Frauen mit Behinderung?“ oder „Gibt es besondere Sprechstundenangebote für Frauen mit Behinderung bei der Frauenärztin oder in anderen Arztpraxen?“ Das Netzwerk freut sich auf schriftliche oder telefonische Antworten auf diese und weitere Fragen, die das Thema betreffen.

Christiane Rischer vom Kompetenzzentrum Selbstbestimmt Leben im Regierungsbezirk Arnsberg (KSL Arnsberg) befürwortet die Teilnahme an der Studie: „Frauen und Mädchen mit Behinderung haben häufig Schwierigkeiten, weil Arztpraxen nicht entsprechend räumlich, technisch und personell auf diese Patientengruppe vorbereitet sind. Die Studie kann Erfahrungen bündeln und das Thema einer breiteren Öffentlichkeit bewusst machen. Das wäre ein weiterer wichtiger Schritt auf dem Weg, die ärztliche und frauenärztliche Versorgung für Frauen und Mädchen mit Behinderung zu verbessern.“

Kontakt zum NetzwerkBüro
Neubrückenstraße 12-14, 48143 Münster
Telefon 0251 51 91 38, E-Mail info@netzwerk-nrw.de

Andreas Tintrup vom KSL Arnsberg moderiert einen World Café-Tisch.
Andreas Tintrup vom KSL Arnsberg moderiert einen World Café-Tisch.
Andreas Tintrup (im Bild links) im Gespräch mit Professor Albrecht Rohrmann von der Uni Siegen.
Andreas Tintrup (im Bild links) im Gespräch mit Professor Albrecht Rohrmann von der Uni Siegen.
Im World Café werden wichtige Beiträge auf dem Tisch notiert.
Im World Café werden wichtige Beiträge auf dem Tisch notiert.

Gemeinsam Teilhabe im Sozialraum sichern

„Bundesteilhabegesetz und Sozialraum. Zusammen neue Wege der Unterstützung finden!“ war der Titel der Tagung des Inklusionskatasters NRW im Tagungszentrum Bad Sassendorf. Leistungsträger, Leistungserbringer ebenso wie Leistungsberechtigte hatten die Gelegenheit, sich zu informieren und untereinander auszutauschen. In den Vorträgen, Arbeitsgruppen und Diskussionsrunden ging es vor allem darum, wie sich die Zusammenarbeit unterschiedlicher Akteure für eine gemeinsame Angebotsentwicklung und die Gestaltung inklusiver Sozialräume konkret gestalten lässt.

Vor diesem Hintergrund waren die am Nachmittag angebotenen praxisbezogenen Workshops und World Café-Tische von großem Interesse. Hier wurden Fragen der Umsetzung des Bundesteilhabegesetzes in Nordrhein-Westfalen an konkreten Beispielen vorgestellt und diskutiert. Marcus Windisch, Leiter der Koordinierungsstelle der KSL-NRW, und Andreas Tintrup, Projektleiter des KSL Arnsberg, moderierten zwei Thementische zu „Sozialraumwissen als Kompetenz von Fachkräften in der Eingliederungshilfe“.

Ulla Röper-Waltemathe, Leiterin Ambulant Betreutes Wohnen des Sozialdienstes Katholischer Männer Lippstadt, machte als Impulsgeberin an einem Tisch beispielhaft deutlich, wie pädagogische Fachkräfte, Pflegekräfte, Alltags- und Genesungsbegleiter im Team zusammenwirken können, um Menschen mit psychischen und Abhängigkeits-Erkrankungen erfolgreich sozialraumorientiert zu unterstützen. In der weiteren Diskussion standen vor allem individuelle Perspektiven der Experteninnen und Experten in eigener Sache, die eigene Rolle als Fachkraft, die Lebensumgebung und Planungsräume im Mittelpunkt. Gudrun Nolte umriss in ihrem Kurzvortrag, wie die Koordinierungs-, Kontakt- und Beratungsstelle Wuppertal als Anlaufstelle individuelle Unterstützung für Menschen mit Lernschwierigkeiten im Sozialraum organisiert.

„Eine wichtige Voraussetzung für Inklusion ist, dass alle Menschen Zugang zu ihren Ressourcen im sozialen Raum haben“, unterstrich Andreas Tintrup. Veranstaltungen dieser Art seien ein wichtiger Impuls für die Zusammenarbeit alle Akteure.