Die Special Olympics Landesspiele NRW 2027 werfen ihre Schatten voraus: Special Olympics NRW ( SONRW) - Sport Tour am 21. Und 22. Mai 2026 in Dortmund
An zwei Tagen im Mai konnten sich Sportler*innen mit anderen Lernmöglichkeiten/Förderschüler*innen und Menschen mit mehrfacher Behinderung aus Dortmund und Umgebung in verschiedenen Sportarten messen. Das neu geschaffene Wettkampfformat SONRW Sport Tour ist ein Vorbote der kommenden, deutlich umfangreicheren Special Olympics Landesspiele NRW die 2027 ebenfalls in Dortmund stattfinden sollen. Dann werden Wettkämpfe in folgenden Sportarten angeboten: Badminton, Basketball, Beachvolleyball, Boccia, Bowling, Fußball, Golf, Handball, Hockey, Judo, Kanu, Kraftdreikampf, Leichtathletik, Radfahren, Reiten /Voltigieren, Rollerskating, Schwimmen, Segeln, Stand Up Paddling, Tennis, Tischtennis, Triathlon und Turnen. Vom 9. bis zum 12. Juni 2027 werden in Dortmund 2000 Athlet*innen und 800 Trainer*innnen/Betreuer*innen erwartet.
Neues Veranstaltungsformat: "Special-Olympics Sport-Tour"
Das diesjährige, neugeschaffene Sport-Tour Sportevent startete am Donnerstag, 21. Mai mit einem Radrennen für Einsteiger und Fortgeschrittene. Im Sportzentrum des TSC Eintracht Dortmund an der Strobelallee wurde parallel ein ausgiebiges Schnupper-Training Tennis für 20 Teilnehmende angeboten. TSC Eintracht wird sich auch an der Ausrichtung der kommenden Landesspielen beteiligen.
Am Freitag, 22. Mai, fand in der Helmut-Körnig-Halle ein Wettkampf-Mix der Leichtathletik mit Laufen, Speerwerfen und Weitsprung, sowie im Tischtennis, Boccia statt. In der Halle tummelten sich rund 70 Athlet*innen, 40 Volunteers als ehrenamtliche Unterstützer*innen und rund 45 Trainer*/Betreuer*innen. Bei Special Olympics wird Wert auf einen guten Betreuungsschlüssel von höchstens vier Athlet*innen pro Betreuungsperson gelegt.
"Wer kann schnell laufen?"
Die Athlet*innen wurden also gut begleitet und bekamen anfeuernde Worte mit in ihre Wettkämpfe. Die Teilnehmer*innen kamen teilweise aus Dortmund, von der Max-Wittmann-Schule oder auch von Trinitas e.V. aus Syburg. Teilweise hatten sie weite Anfahrten, wie die Tischtennis-Spieler von Hannover 96 oder die Haldenwangschule aus Dorsten sowie die Schule zum Römerturm aus Bergheim. „Es ist eine große Ehre, hier hinfahren zu dürfen,“ so ein Begleiter von der Schule zum Römerturm neben den Boccia-Feldern. Hier herrschte bei den Spieler*innen vor allem Konzentration auf die Kugel-Konstellationen. Auf dem Schulhof wird zwar manchmal Boccia gespielt, aber nicht so professionell wie im Wettkampf, berichtete er. Manche der Sportler*innen wirkten sehr geübt in ihren Bewegungsabläufen: beim Boccia, Tischtennis oder auch beim Weitsprung, andere machten eher „ihr Ding“ und probierten sich in verschiedenen Sportarten einfach mal aus. Für Georgius von der Max-Wittmann-Schule hat das gut funktioniert: Beim 60m Lauf war er überraschend der Schnellste und holte Gold. Dass er gewonnen hatte, war ihm nicht bewusst, bis die Eltern eines anderen Sportlers ihm zum Sieg gratulierten. Die Freude bei seiner eigenen Mutter, die er direkt anrief, und den Schulkolleg*innen war groß. Die Sportlehrerin meinte, sie hätte im Vorfeld gefragt: „Wer kann schnell laufen?“ und hätte diese Schüler für das Laufen angemeldet. So kann ein Wettkampf bisher unbekannte Talente zum Vorschein bringen.
Bei der letzten Pendelstaffel der Athlet*innen gemeinsam mit den Volunteers wurden dann von allen beteiligten Sportlern*innen noch einmal alle Kräfte mobilisiert, um das jeweils eigene Staffelteam nach vorne zu bringen. Das war von außen betrachtet, der Wettkampf mit dem größten Spaßfaktor, weil die Teams sich spontan zusammenfanden und alle lautstark mitfieberten.
Testlauf für die Landesspiele 2027
Laut Marc Albert, Projektleitung Landesspiele bei Special – Olympics NRW haben diese zwei Tage im Mai 2026 auch als für das Organisatorenteam als Testlauf fungiert. Es habe sich gezeigt, dass die Sportstätten gut geeignet seien, weil sie im Bereich der Strobelallee nah beieinander lägen, die Ausstattung passe und die Organisation vor Ort gut funktioniere.
Das Special-Olympic-Team NRW möchte „bei den Teilnehmenden die Leidenschaft für den Wettkampf-Sport wecken und sie außerdem auf eine Teilnahme an den Landesspielen vorbereiten“. Viele strahlende Gesichter, Umarmungen und gegenseitiges Abklatschen der Athlet*innen bei den Wettkämpfen und bei den Siegerehrungen zeigten, dass dies wohl gelungen ist. Das Motto auf den Medaillen lautete in diesem Jahr: „Dabei sein. Mutig sein. Das Beste geben.“ Es wird jeweils von den Athlet*innen ausgewählt. Diese übernehmen auch weitere Aufgaben bei Special Olympics: Die Sprecherin des Athletenrats der Special Olympics NRW, der aus zehn Peers besteht, Steffi Wiegel, war selbst als Sportlerin beteiligt und überreichte bei der Siegerehrung sehr routiniert den Teilnehmenden ihre Medaillen und Schleifen. Ebenso Simon Lepping, ihr Kollege im Athletenrat. Er ist sowohl Sportler als auch im Projekt der Inklusiven Redaktion bei Special Olympics NRW aktiv, das bis 2030 von Aktion Mensch gefördert wird und bei dem Menschen mit und ohne Behinderung als Medien-Tandems gemeinsam Werkzeuge für die Berichterstattung im Sport vermittelt bekommen.
Was bedeutet hier "Special"?
Was unterscheidet Special Olympic Sportveranstaltungen, an denen vor allem Menschen mit anderen Lernmöglichkeiten teilnehmen, von anderen Sportwettkämpfen? Laut Projekt-Leitung Marc Albert sind es vor allem die fairen Wettbewerbe, bei denen alle Teilnehmenden entweder mit einer Medaille oder einer Schleife nach Hause gehen. „Das ist für viele ein großes Highlight.“
Die Wettkämpfe bestehen jeweils aus einer Klassifizierungs- und einer Wettbewerbsrunde. Bei der Klassifizierung am Wettkampftag wird das Leistungsniveau der Teilnehmenden anhand von Zeiten/Weiten/Punkten erfasst und im Anschluss für die Zusammenstellung von Wettkampfgruppen zu jeweils acht Teilnehmenden/Teams auf einem möglichst homogenen Leistungslevel genutzt. Die Teilnehmenden müssen also weder im Vorfeld Qualifizierungswettkämpfe absolvieren, noch werden sie nach Alter, Geschlecht, oder Grad der Behinderung eingeteilt (im Gegensatz dazu arbeiten die Paralympics mit Startklassen die anhand medizinischer Unterlagen im Vorfeld ermittelt werden). Hier zählt lediglich die konkrete Leistung in der Vorrunde am Wettkampftag. Und dass die Teilnehmenden die Bewegungsabläufe ihrer Sportart bestmöglich kennen.
Eine Wettkampfgruppe kann also völlig vielfältig sein, was zu überraschenden Konstellationen bei der Siegerehrung führt: Wenn beispielsweise eine Vierjährige mit Menschen, die schon mehrere Lebensjahrzehnte hinter sich haben gemeinsam auf dem Podest steht.
Mit Tischtennis in die Informationsveranstaltung
Am Abend des zweiten Eventtages bot das Special Olympic NRW-Team eine Veranstaltung „Inklusion im Sportverein“ an, zu der sich auch einige Vertreter*innen von Sportvereinen aus Dortmund und der Region angemeldet hatten. Als Co-Moderator von Marc Albert fungierte hier Alexander Kersken aus Bonn, Athletenrat-Mitglied, der vorab zu einem Tischtennis-Warm-Up einlud. „Leute, nehmt Menschen mit Behinderung auf (in die Sportvereine),“ war seine wichtige Aufforderung in der Begrüßungsmoderation mit Marc Albert.
Auch Marc Albert warb bei den Anwesenden dafür, sich für das Thema Inklusion zu öffnen. Sportvereine sind wichtige gesellschaftliche Einrichtungen, die allen offenstehen sollten. Mit einer Präsentation ging sein Kollege Nico Herrmann von Special Olympics NRW genauer auf die verschiedenen Aspekte ein, die für Sportvereine wichtig sein können, wenn sie sich bewusst für alle öffnen, oder wenn sie inklusive Sportgruppen gründen wollen. Er legte mögliche Vorgehensweisen dar und wies auch auf Fördermöglichkeiten für barrierefreie Angebote hin. Beispielsweise muss man sich womöglich über die Mobilität Gedanken machen, wenn die Vereinsmitglieder überregionale Wettkämpfe besuchen wollen und der ÖPNV dafür nicht infrage kommt. Im Publikum saßen auch Vertreter*innen von Vereinen, die wie Nico Hermann selbst bereits inklusive Sportangebote machen und der Tenor in ihren Redebeiträgen war positiv: Es tauchen immer in der Vereinsarbeit Fragen auf, die gelöst werden wollen, egal ob es um Menschen mit oder ohne Behinderung geht. Oft lassen sie sich überraschend einfach lösen, wenn man um konkrete Unterstützung bittet. Beispielsweise bot ein Busunternehmen auf Nachfrage reduzierte Preise für gemeinsame Fahrten zu Wettkämpfen an. Vereinsvertretende, die gerade dabei sind, ihre Angebote zu öffnen, empfanden dies als ermutigend.
Weitere Infos zu Special Olympics NRW
Special Olympics NRW ist ein Verband für besondere Aufgaben im Landessportbund NRW mit einer heterogenen Mitgliederstruktur. Dazu zählen Einzelpersonen und Familien ebenso wie Werkstätten, Schulen und andere Einrichtungen. Special Olympics NRW veranstalten rund 60 Tages-Events pro Jahr, im Bereich der Bewegungs-Spiel- und Sportaktivitäten, wobei in der Geschäftsstelle nur neun Menschen hauptamtlich tätig sind, sehr vieles also durch ehrenamtliches Engagement möglich gemacht wird. Ziel ist es vor allem, Menschen mit anderen Lernmöglichkeiten und mehrfachen Behinderungen, die Teilnahme an Sportveranstaltungen und sportlichen Wettkämpfen zu ermöglichen. In Sportvereinen ist ihre Zielgruppe noch deutlich unterrepräsentiert, was sich schnellstmöglich ändern soll. Auch inklusive Sportangebote (wie Unified®-Sportarten) sollen ausgebaut werden. Neben dem sportlichen Engagement stehen Themen wie gesunde Lebensführung, Gewaltschutz und Demokratie auf der SO-NRW-Agenda.
Nationale Spiele der Special Olympics im Saarland: Eröffnungsfeier am 15. Juni 2026
Deutschlandweit gibt es in jedem Bundesland einen Landesverband der Special Olympics. Die Nationalen Spiele von Special Olympics, die im zweijährigen Wechsel als Sommer- oder Winterspiele stattfinden, werden in diesem Jahr vom 15. Bis 20. Juni im Saarland ausgetragen. Die Eröffnungsfeier am 15. Juni 2026 ab 20:15 Uhr im Ludwigsparkstadion Saarbrücken wird im Fernsehen übertragen.
[Bannerbeschreibung, Websitekopf: Neben den KSL-Facetten in grün und lia sind Fotos von der Sport-Tour in Dortmund zu sehen: Eines zeigt die herzförmige Goldmedaille, in deren Mitte steht: "Dabei sein. Mutig sein. Das Beste geben." Rechts daneben zwei kleinere Fotos, auf einem läuft ein junger Mann mit ausgebreiteten Armen vorneweg, hinter ihm andere Laufende. Auf dem anderen lachen zwei jungen Männer, die sich umarmen, in die Kamera. Einer hält einen Staffelstab in der Hand.]
