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Eine „Stadt im Kleinen“ entsteht

16.01.2026
Die Visualisierung der Stadt im Kleinen zeigt, zwei der Gebäude mit den Laubengängen und einen begrünten Innenhof. Die Fassade des größeren Hauses ist orangefarben.

Vorfreude: Stadt im Kleinen“ voraussichtlich März 2026 bezugsfertig

Am Tag des offenen Gemeinschaftswohnprojekts (September 2025) bot der Elisabeth Vormfelde Verein eine Besichtigung der Baustelle und der Wohnungen im Rohbau an. So fanden sich Interessierte am Infostand bei WÜT-Geschäftsführerin Andrea Terwey ein, um sich über das Projekt zu informieren oder um ihre künftigen Wohnungen und das ganze Bau-Projekt schon einmal anzusehen. Besonders spannend war die Frage, wann mit dem Einzug gerechnet werden kann. WÜT- Geschäftsführerin Andrea Terwey, die das Mammut-Projekt zusammen mit ihrer Kollegin Esther Vergara und dem späteren Verantwortlichen Jan Ballhorn betreut, wagte die Prognose, dass dies März 2026 der Fall sein werde. Allerdings mit einem Fragezeichen, da sich im Verlauf des Bauprojekts schon mehrfach gezeigt hat, dass so ein Bauprojekt immer wieder neue Überraschungen bereithält. Die Idee zur „Stadt im Kleinen“  entstand bereits 2017, weil ein großer, nicht gedeckter Bedarf an Sozialwohnungen beobachtet worden war. Der Elisabeth Vormfelde Verein, in den 1960-er Jahren von sieben Eltern gegründet, hat bereits zwei Häuser für Menschen mit Behinderung gebaut, die allerdings als stationäres Wohnen realisiert wurden. Mit dem inklusiven Wohnprojekt in Eving wird ein wichtiger Schritt in Richtung selbstbestimmtes Leben getan: Individuelle Wohnungen für Menschen mit und ohne Behinderung bieten künftig Eigenständigkeit in Bezug auf die eigene Lebensführung und eine vielfältige Nachbarschaft. 

Der Name „Stadt im Kleinen“ soll darauf hindeuten, dass im Wohnprojekt ebenso unterschiedliche Menschen leben werden, wie in einer Stadtgesellschaft, so Andrea Terwey. Zu Planungsbeginn hatte das Team der WÜT gehofft, bereits 2022 einziehen zu können.  Als erstes gestaltete sich der Grundstückskauf wegen zwei Vorbesitzern kompliziert. Durch den Krieg in der Ukraine kam es dann 2022 zu enormen Kostensteigerungen bei Baumaterialien sowie zu Lieferengpässen. Es stand zwischendurch sogar auf der Kippe, ob das Bauprojekt wirklich durchgeführt werden könnte. Der Baubeginn erfolgte schließlich am 1. November 2023.  

Gemeinschaftliches Wohnprojekt Dortmund Eving: „Stadt im Kleinen“ 

  • Eckdaten des Projekts:
  • Wohnprojekt im Bau in Dortmund – Eving
  • Integratives Wohnprojekt, koordiniert von der Werkstatt über den Teichen GmbH (WÜT)/ Träger: Elisabeth Vormfelde Verein e.V.
  • 37 Wohnungen für 80 Menschen mit und ohne Beeinträchtigungen.
  • 80 Prozent der Wohnungen (31) wurden öffentlich gefördert. Für deren Bezug ist ein Wohnberechtigungsschein nötig, überwiegend WBS Stufe A, sechsmal W Stufe B.
  • Die Miete für die frei finanzierten Wohnungen liegt bei 12,50 Euro pro Quadratmeter /Kaltmiete. Geförderte Wohnungen haben Quadratmeter-Kaltmieten von 6,40 Euro (Stufe A) bzw. rund 7,20 Euro (Stufe B).
  • Die Wohnungsgrößen variieren zwischen 48 und 120 Quadratmetern. Sieben Wohnungen sind für Familien mit bis zu fünf Personen geeignet. Es gibt 7 (zwei freifinanzierte) Maisonette-Wohnungen. Diese sind nicht komplett barrierefrei- für einen barrierefreien Zugang zum oberen Wohnungsteil müsste ein Treppenlift von den Mieter*innen selbst installiert werden. 
Visualisierung die einen Überblick von oben auf das Gebäudeensemble zeigt.
Blick von oben auf das Gebäudeensemble und den weitläufigen Innenhof. Visualisierung Lindner Lohse Architekten BDA
Visualisierung der Gebäudeansicht vom Innenhof aus.
Sicht vom Innenhof. Visualisierung Lindner Lohse Architekten BDA

Erkundung der neuen Wohnungen 

Gut zwei Jahre später, September 2025, ist ein Ende der schwierigen Bauphase in Sicht. In kleinen Gruppen wandert Jan Ballhorn, der als Sozialarbeiter eines von drei Büros in der „Stadt im Kleinen“  beziehen wird, mit den künftigen Mieter*innen durch den Rohbau und über das noch unwegsame Baustellengelände. Zwei junge Menschen im Rollstuhl, ein Paar, freut sich ganz besonders auf die neue Wohnung. Der junge Mann wagt den Weg durch die Baustelle gemeinsam mit der Familie seiner Freundin. Diese ist aufgrund ihres E-Rollis deutlich vorsichtiger und wartet lieber, bis alle wieder zurückkommen. Ihre Familie wird mit drei Generationen in die Stadt im Kleinen einziehen: Sowohl ihre Eltern als auch ihre Schwester mit Familie mieten jeweils eine der Wohnungen, alle mit unterschiedlichen Grundrissen. Die E-Rollifahrerin wird eine von zwei Wohnungen mit Automatiktüren beziehen. Alle Wohnungen im Projekt sind baulich weitgehend barrierefrei, nur die Maisonette-Wohnungen über zwei Etagen mit innenliegender Treppe nicht. 

Ein Paar, beide Rollstuhlnutzer, sieht sich auf dem Baustellengelände um.
Künftige Mieter*innen schauten sich im September den Rohbau der Wohngebäude an. (Foto KSL.Arnsberg)
Dieses Bild zeigt die Gebäudefassade mit rotem Anstrich, sowie frisch montierte Geländer an den Laubengängen.
Nur rund zwei Monate später waren die Fassaden farbig verkleidet/gestrichen und weitere Arbeitsschritte erledigt. (Foto WÜT)

Das Gelände wirkt derzeit, ohne Wege und zusätzliche Anlagen wie die bereits geplante Fahrradgarage, sehr großzügig: die Gebäudeteile liegen vom Baustelleneingang aus betrachtet wie ein offenes U vor den Besucher*innen: L-förmig zwei große Wohngebäude und rechts ein kleineres quadratisches, angeschlossenes Gebäude für die Gemeinschaftseinrichtungen und Büros.  Bis auf die Dach- Etage sind alle Ebenen über breite Laubengänge miteinander verbunden. Die Laubengänge sind über außenliegende Treppen sowie über zwei Aufzüge zu erreichen. Alternativ zu den offenen Laubengängen, die sicherlich künftig den Bewohner*innen bei passendem Wetter auch als Treffpunkt dienen werden, haben die Wohnungen private Balkone.

Weichen für eine gute Nachbarschaft sind gestellt 

Der Innenhof, auf den alle Laubengänge blicken, soll künftig zu einem Ort der Begegnung werden, so Jan Ballhorn, der seit 2025 im Projekt arbeitet (vorher Sozialer Dienst der WÜT) und sich zu einem Telefoninterview bereiterklärt hat. Es soll auf dem Außengelände kleine Nutzgärten, eine Boulebahn, einen kleinen Sportplatz, einen Spielplatz sowie eine gemeinsame Grillfläche geben. Ein Büro mit einem Küchenbereich für gemeinsame Kochaktivitäten wird ebenfalls Platz Gebäude finden. Teil des Wohnkonzepts ist auch das Angebot eines gemeinschaftlich genutzten Waschraums pro Etage, in dem mitgebrachte Waschmaschinen abgestellt werden können. Die WÜT bietet zusätzlich einen Wäscheservice an. 

Eigeninitiative ist gefragt

In einem der Gebäude wird eine Großpflegestelle für kleine Kinder eingerichtet. Jan Ballhorn hofft, dass eine gute Gemeinschaft zwischen den Bewohner*innen unterschiedlichsten Alters entstehen wird, in der sowohl gemeinsame Unternehmungen als auch kleine Nachbarschaftsdienste dazugehören. Dazu möchte er beitragen, indem er zu Beginn Treffen für die Bewohner*innen anbietet. Auch gemeinsame Aktivitäten soll es geben, allerdings hofft Ballhorn in dieser Hinsicht vor allem auf die Initiative der Projektbewohner*innen. Er meint, bei gemeinsamer Nachbarschaftsarbeit würden die Mieter*innen vieles selbst entscheiden. Man müsse am Anfang vermutlich ein paar Dinge vorgeben, und schauen, wie sich alles entwickelt.  Anfang November gab es bereits ein Kennenlern-Treffen für die künftigen Mieter*innen in der WÜT, mit Informationen zu verschiedenen Themen. Ein Umzug ins Projekt beispielsweise würde zwar nicht begleitet, aber es sei möglich, sich dazu im Vorfeld beraten zu lassen.

Nachhaltige und hochwertige Ausstattung

Das Projekt ist besonders nachhaltig geplant worden, in Holzrahmenbauweise mit Holz-Beton-Verbunddecken. Es gibt mehrere Wärmepumpen und eine Photovoltaik-Anlage für die gesamte Warmwasserversorgung sowie die Heizungsanlage. Die Wohnungen sind mit Fußbodenheizungen und dreifachverglasten Fenstern ausgestattet, um effizient mit nachhaltiger Energie beheizt werden zu können.

Keine geschlossene Gesellschaft

 Zu einem Anziehungspunkt für die Nachbarschaft könnte das öffentliche, inklusiv bewirtschaftete „Café Spezial“ werden, wie es bereits früher in Eving betrieben wurde. Die Räumlichkeiten dieses Cafés sollen außerhalb der Öffnungszeiten den Hausbewohner*innen als Gemeinschaftsraum dienen. Längerfristig kann sich Jan Ballhorn auch vorstellen, das Projekt in die umgebende Nachbarschaft zu öffnen.

Ein weiteres Bauprojekt wie dieses sei allerdings nicht geplant, meint er im Telefonat: Das Projekt war für alle Beteiligten sehr intensiv, ging mit einer enormen Kostensteigerung einher und stellte insgesamt eine sehr große Herausforderung für alle dar.“

Generell bräuchte man aber mehr Initiativen, die solche Bauprojekte angehen. Häufig scheitert es an der fehlenden Rendite, vermutet er. Wohnungsbaugesellschaften arbeiten eher gewinnorientiert. „Der Bedarf ist wahrnehmbar“, meint er: „Wir nehmen zwar noch Leute auf die Warteliste, aber die ist bereits auf sieben Seiten mit 80 bis 100 Anfragen angewachsen.“ Sein Ratschlag für Menschen, die ähnliche Projekte planen sei, sich einem großen Netzwerk anzuschließen. Einen Pluspunkt habe die WÜT und der Elisabeth-Vormfelde Verein:  Viele Mitglieder und viele Beschäftigte böten andere Möglichkeiten, als sie beispielsweise eine kleine Elterninitiative habe. 

Große Nachfrage nach den barrierefreien, geförderten Wohnungen

Die künftige Bewohnerschaft der „Stadt im Kleinen“  besteht aus Menschen verschiedenen Alters und Nationalitäten. Mitarbeitende der WÜT und AUW-Klient*innen hätten zwar zuerst die Informationen zum geplanten Wohnprojekt bekommen, und sich in eine Interessent*innenliste eintragen können, dann aber wurde auch die Öffentlichkeit per Lokalpresse informiert und wer zuerst kam,wurde zuerst berücksichtigt. Gerade einmal ein Jahr nach Projektbekanntgabe war die letzte Single-Wohnung vergeben. Viele ältere Menschen aus Eving zeigten ebenfalls Interesse.

Unterstützungsangebote 

Die WÜT selbst betreibt einen Dienst für Ambulant Unterstütztes Wohnen, dessen Service auch Bewohner*innen der „Stadt im Kleinen“  offensteht.  Allerdings können die Bewohner*innen mit entsprechendem Bedarf auch alle anderen AUW-Anbietenden wählen. Er erhoffe sich eine schöne Zusammenarbeit mit den verschiedenen Diensten, so Jan Ballhorn. Rundumbetreuung durch die WÜT wird allerdings nicht angeboten, so Herr Ballhorn. Eine 24/7 Assistenz müsse im Bedarfsfall selbst organisiert werden. Extra Assistenz-Zimmer in Single-Wohnungen seien bei der Planung nicht berücksichtigt worden.

Ansicht von der Dachterasse aus
Blick von der obersten Terrassenebene bis zum Hammerkopfturm.