Der Verein Wohnen und Teilhabe inklusiv e.V. hat am 2. Mai erneut einen Protesttag zur Gleichstellung von Menschen mit Behinderung in Dortmund-Grevel veranstaltet. Der thematische Fokus lag diesmal auf dem Bereich der ambulanten (Körper-) Pflege.
Monika Scholz, Vereinsvorsitzende begrüßte die Anwesenden und machte darauf aufmerksam, dass die derzeitige Situation menschenunwürdig ist, weil nur wenige Minuten am Tag für die Körperpflege von behinderten Menschen verwendet werden dürfen.
Als eine von neun Teilnehmer*innen einer Podiumsdiskussion zum Thema erklärte Maren Zebrowski vom KSL.Arnsberg, auf welcher Grundlage ambulante Pflegedienste in NRW ihre pflegerischen Leistungen berechnen. In groben Zügen lässt sich das folgendermaßen darstellen: Zunächst werden bestimmte Leistungskomplexe je nach Aufwand mit Punkten bewertet und diese dann inhaltlich passend zusammengelegt, beispielsweise gehört die Leistung „Lagern/Betten“ in den Bereich der körperbezogenen Pflegemaßnahmen. Ebenso fällt dahinein der Leistungskomplex der „Teilwaschung“. Letzterer wird von den Pflegekassen in NRW mit 10,46 Euro vergütet. Diese Waschung wird je Einsatz, nicht nach Minuten bezahlt. Allerdings muss der Pflegedienst selbst ermitteln, wieviel Minuten sein Pflegepersonal vor Ort sein darf, damit die Kosten für den Pflegedienst von der gezahlten Pauschale gedeckt werden. Daher wird diese Zeit von jedem Pflegedienst individuell berechnet und in „Pflege-Zeitplänen“ festgeschrieben. Wer wissen möchte, wieviel Zeit von welchem Pflegedienst für welche Leistung angesetzt wird, sollte genau danach fragen.
Zusätzlich zu den Leistungskomplexen der Pflegekassen, können die Pflegedienste allerdings auch Wegepauschalen und Investitionskosten (für Fahrzeuge, Büroausstattung etc.) geltend machen.
Wirtschaftlich betrachtet ist der Pflegedienst ein Unternehmen, das ein Einnahmenplus erwirtschaften muss, um bestehen zu können. Pflegebedürftige ihrerseits haben je nach Pflegegrad Anspruch auf Pflegegeld oder Sachleistungen in Form von Häuslicher Pflege, die auf einen festgelegten Betrag festgeschrieben sind. Ob die Pflegeleistung den Bedarf des jeweiligen Menschen mit dem zur Verfügung stehenden Geld wirklich gut abdeckt, wird vom System nur grob berücksichtigt.
Das Dilemma liegt auch bei den Pflegediensten, denn sie müssen letztendlich entscheiden wie lange Zeit sie ihren Mitarbeitenden pro Pflegeeinsatz zugestehen, um gleichzeitig gute Pflege vor Ort zu bieten und gleichzeitig noch Gewinn zu erwirtschaften- oder zumindest kein Minus. Darauf machte Eike Marrenbach, Gschäftsführer Bund Deutscher Pfadfinder- soziale Dienste gGmbH in seinem Redebeitrag aufmerksam.
Bei der kurzen Podiumsdiskussion, die von Susanne Meyer (Behindertenpolitisches Netzwerk Dortmund) moderiert wurde, stellten Vertreter*innen verschiedener Parteien ihre jeweilige Haltung zum Thema vor. Es waren Dr. Christoph Neumann, Fatma Kracakurtoglu und Petra Tautorat, Felix Kran, Sylvia Dahlmann, Ingeborg Krumm-Dahlmann und der Vertreter des Paritätischen, Gunther Niermann an der kurzen Runde beteiligt. Von letzterem wurde in diesem Zusammenhang auch auf das inoffizielle Papier mit Vorschlägen zu Einsparmaßnahmen in der Eingliederungshilfe hingewiesen.
Neben der politischen Diskussion ging es in Grevel auch konkret um das Thema Körperpflege: Am Aktionsstand des Vereins konnten Produkte zur Körperpflege aus natürlichen Rohstoffen hergestellt werden.
Das Gitarrenduo Fred & Niko unterhielt in der Zwischenzeit die Besucher*innen, die auch mit Getränken und leckerem Essen versorgt wurden.