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Das Persönliche Budget - Mehr Selbstbestimmung für Menschen mit Behinderung

17.04.2026
Gruppenfoto Fachtag Schwelm

Die Inklusionsbeauftragte des EN-Kreises, Judith Volk, hat gemeinsam mit den KSL.NRW und weiteren Akteuren am 31.3.26 einen Fachtag zum Persönlichen Budget durchgeführt. Der Fachtag bildete den Abschluss des Aktionsmonats zum Persönlichen Budget, in dem die Wanderausstellung der KSL.NRW in verschiedenen Städten des Kreises ausgestellt und von einem informativen Rahmenprogramm begleitet wurde. Neben Sprechstunden der EUTB und der Inklusionsbeauftragten und Behindertenkoordinator*innen, bot das KSL Arnsberg gemeinsam mit der KPA/PB eine Informationsveranstaltung für interessierte Personen an.

In einem Grußwort dankte Landrat Jan-Christoph Schaberick allen Beteiligten insbesondere Judith Volk, die mit ihrem Engagement diese Aktionsmonat möglich gemacht haben.

Claudia Middendorf, Beauftragte des Landes NRW für die Belange von Menschen mit Behinderung und für Patient*innen (lbbp.nrw), hob in ihrer Ansprache die Bedeutung des Persönlichen Budgets für die Selbstbestimmung von Menschen mit Behinderung hervor. Dabei gehe es für dessen Nutzende sowohl um Rechte als auch um Verantwortung und um das Thema Würde. Ein Persönliches Budget zu beantragen bedeute auch, die eigenen Wünsche ernst zu nehmen, neue Wege zu entdecken und zu sagen: So will ich leben!

Claudia Middendorf bei ihrer Ansprache
Claudia Middendorf bei ihrer Ansprache
Blick in den Sitzungssaal
Blick in den Sitzungssaal

Claudia Middendorf unterstrich die Botschaft der Wanderausstellung der KSL.NRW zum Thema, in der sowohl Assistenznutzende mit Persönlichem Budget als auch Assistenzgebende zu Wort kommen. In der Ausstellung werde deutlich, dass das Budget kein abstraktes Konzept, sondern gelebte Realität sei. Das Verfahren von der Beantragung bis zur Umsetzung des Persönlichen Budget sei derzeit noch herausfordernd. "Das Verfahren müssen wir einfacher gestalten", meinte Claudia Middendorf. 

Dies wurde im weiteren Verlauf durch Aussagen von Assistenznutzenden aus dem Ennepe-Ruhr Kreis bestätigt: Budgetnutzende aus dem EN-Kreis teilten ihre Erfahrungen in vorbereiteten Interviews, die live oder als Video dargeboten wurden. 

Joachim Tarne, Sozialarbeiter und Arbeitgeber für neun Assistenzkräfte beschrieb seine Situation so: " Trotz einiger schlechter Erfahrungen mit Bürokratie und Behörden würde ich mich jederzeit für das Persönliche Budget aussprechen. Denn für das Persönliche Budget spricht, dass ich persönlich entscheide, was ich mache und wann ich es mache!" Mit dem Arbeitgeber modell sei er flexibler, als mit einem Pflegedienst, da dieser einen festen Zeitrahmen für die benötigten Hilfen vorgebe, die ihm beispielsweise nicht erlaubten, Abendtermine wahrzunehmen. Allerdings gab er allen PB-Interessierten den Rat, sich vorher ausgiebig zum Thema beraten zu lassen, denn trotz einschlägiger beruflicher Vorbildung seinen auch ihm seien vorher nicht alle "Fallstellen" bekannt gewesen. 

Auch für Uli Schmelzer hat das Persönliche Budget dazu geführt, dass er seine eigenen Interessen wahrnehmen kann. Seit zwei Jahren arbeitet er ehrenamtlich in einem Café mit. Und: "Bin mein eigener Herr und Meister, habe meinen eigenen Schlüssel, eine eigene Wohnung." In seinem Videointerview berichtet er, dass sein gesetzlicher Betreuer sich um die Beantragung des PB gekümmert hat und dass er jetzt mit Unterstützung einkaufen geht, Termine vereinbart, und auch zum Arzt begleitet wird. "Das ist schön! Das ist gut!" Auch die zwei weiteren Videointerviews zeigten, dass das Leben mithilfe des Persönlichen Budgets individueller und eigenverantwortlicher gestaltet wird.

Joachim Tarne
Joachim Tarne ist Arbeitgeber für Assistenzkräfte
Korinna Schlink interviewt Assistenznutzende
Korinna Schlink interviewt Assistenznutzende

Aus der Praxis der Beantragung von Persönlichen Budgets in der Kinder- und Jugendhilfe des Ennepe-Ruhr Kreises berichteten die Verfahrenslotsinnen Jacqueline Happe, Sonja Mattern und Fiona Müller. Sie arbeiten auf der Basis des Jugendstärkungsgesetzes. Das Vorgehen zum Persönlichen Budget werde noch sehr unterschiedlich gehandhabt, so die Verfahrenslotsinnen. In manchen Städten werde die Beantragung durch besonders viele angeforderte Unterlagen erschwert, was auf eine gewisse Misstrauenskultur hindeute. Man bevorzuge dort die Bewilligung von Sachleistungen, weil man befürchte, dass das PB falsch eingesetzt werde, so die Vermutung der Verfahrenslotsinnen.

Petra Augustin stellte das Angebot der Ergänzenden Unabhängigen Teilhabeberatung (EUTB) im Ennepe-Ruhr Kreis vor und bot allen Interessierten an, sich auf die Lotsenfunktion der EUTB im Schilderwald der Bürokratie zu verlassen Die EUTB berät zu allen Themenbereichen der Teilhabe (Familie, Gesundheit, Arbeit, Wohnen, Bildung, Mobilität) und zu allen Behinderungen, wertschätzend und auf Augenhöhe. Eine Besonderheit im EN-Kreis ist das Angebot einer ehrenamtlichen Beratung durch weitere Peers, beispielsweise im Bereich MS, Rheuma oder Schlaganfall. So eine Beratung sei wie eine "Miniselbsthilfegruppe", so Petra Augustin.

Petra Augustin von der EUTB im EN-Kreis
Petra Augustin von der EUTB im EN-Kreis
Manuel Salomon - KSL.NRW
Manuel Salomon, KSL.NRW

Nach einer Kaffepause mit vielen weiteren Gesprächen zum Thema lud Christiane Rischer (KSL.Arnsberg) zur Workshopphase in drei Kleingruppen ein. Geleitet wurden diese von Moderator*innen der KSL.NRW und der Kontaktstelle Persönliche Assistenz/Persönliches Budget. Anhand eines Handouts und aufgrund persönlicher Erfahrungen tauschten sich die Teilnehmenden über verschiedene Aspekte des PB aus. Fazit der Veranstaltung ist, dass über die Leistungsform Persönliches Budget mit seinen Gestaltungsmöglichkeiten stärker und in verständlicher Form beworben werden muss. Menschen mit Behinderung werden damit in die Lage versetzt, ihre Hilfen selbstbestimmt und passgenau zu gestalten. 

Katja Fellenberg und Natalie Ziemann beim Workshop
Workshop mit Katja Fellenberg und Natalie Ziemann
Workshopteilnehmende und Stephan Wieners, KSL.OWL
Workshoparbeit mit Stephan Wieners und Christiane Rischer

Gastgeberin Judith Volk nimmt die Anregungen der Teilnehmenden mit und bedankte sich bei allen Akteur*innen des Fachtages. Sie kündigte an, die Gespräche rund um das Thema Inklusion im Ennepe-Ruhr Kreis, die sich während des Aktionsmonats ergeben haben, weiter fortzuführen.

Workshoparbeit
Workshop mit Daniela Herrmann und Manuel Salomon
Judith Volk und Manuel Salomon beim Abschlusspodium
Judith Volk und Manuel Salomon beim Abschlusspodium
Notiz an der Pinwand: Beratung ist unerlässlich, Empowerment! Bedarf als Menschenrecht
Workshopergebnisse
Wanderausstellung zum Persönlichen Budget vor Ort
Wanderausstellung zum Persönlichen Budget in Schwelm

HINWEIS: LINK ZU DEN VIDEO-INTERVIEWS MIT PB_NUTZENDEN FOLGEN AUF DIESER SEITE (Voraussichtlich ab 24.4. online)

 

 Impressionen vom Aktionsmonat im Ennepe-Ruhr Kreis

Wanderausstellung wird betrachtet
Wanderausstellung in Witten, Bibliothek
Veranstaltung Witten
Veranstaltung in Witten, Bibliothek
Materialien zum Thema PB
Ausstellung und Materialien zum PB
Veranstaltung in Wetter
Wetter, Bibliothek: Veranstaltung mit Bürgermeister Draht
Plakat zum Aktionsmonat
Das Plakat zum Aktionsmonat
Veranstaltung in Hattingen
In Hattingen, Rathaus.